Geschichte der Mozartgemeinde

Im März 1913 gründete der Musikschriftsteller Prof. Heinrich Damisch die „Wiener akademische Mozartgemeinde“, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg „Mozartgemeinde Wien“ nannte. ISchon seit Mozarts Tod bemühte sich die musikalische Welt um die Erhaltung und Verbreitung seines Werkes.
In den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts entstand in Salzburg ein „Dommusik-Verein“, 1870 kam es zur Gründung der „Internationalen Mozart- Stiftung“, die ab 1880 unter der Bezeichnung „Internationale Stiftung Mozarteum“ die bisher stark lokalgebundene Mozart-Pflege in internationale Bahnen lenkte.
Die Gründungsgeschichte der Mozartgemeinde hängt durch die Person ihres Gründers eng mit der Entwicklung der Salzburger Festspiele zusammen, zumal Heinrich Damisch auch einer der geistigen Väter bzw. Mitbegründer der Salzburger Festspiele war. Im Besonderen galt seine Tätigkeit ab 1916 zunächst der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde, im Jahr 1917 gründete er den Verein „Salzburger Festspielhausgemeinde in Wien“.
Damisch gründete die Wiener akademische Mozartgemeinde auch zu dem Zweck, für die Salzburger Festspielidee in Wien Anhänger zu werben. 1888 wurde durch die Internationale Stiftung Mozarteum die „Internationale Mozart-Gemeinde“ gegründet, deren Hauptzweck zunächst die Aufbringung von Geldmittel für die weitgespannten Ziele der Stiftung war. Bald entstanden sogenannte Ortsgruppen im Inland wie im Ausland, zu den frühen Ortsgruppen zählte die Wiener akademische Mozartgemeinde. Im Laufe der Zeit entwickelten diese Ortsgruppen ein Eigenleben als selbständige Mozartgemeinden, die Internationale Stiftung übt jedoch — bis heute — eine meist symbolische Dachfunktion für alle Mozartvereinigungen in vier Kontinenten aus.
Als wichtige Aufgaben und Ziele erachtete die Mozartgemeinde von Beginn an die Pflege der Kunst Mozarts, die Veranstaltung von Konzerten und Vorträgen, eine Publikationstätigkeit, die Betreuung bzw. Obsorge der Mozart-Gedenkstätten Wiens, Führungen und Veranstaltungen zu und an historischen Stätten sowie die Förderung junger (Mozart-) Interpreten, aber auch der zeitgenössischen Musik. Schon ab 1931 gab die Mozartgemeinde ständige Mitteilungen an ihre Mitglieder heraus, die in der Herausgabe eines periodischen Publikationsorgans des Vereins, dem Mitteilungsblatt „Wiener Figaro“, mündete. Bereits in der Zwischenkriegszeit förderte die Mozartgemeinde junge zeitgenössische österreichische Komponisten durch eigene Konzertzyklen.

Konzerte an Mozartstätten (Deutsches Haus, Figarohaus, Dom St. Stephan. Waisenhauskirche), Führungen auf dem St. Marxer Friedhof oder zu anderen Erinnerungsstätten gehörten schon in der Frühzeit der Vereinigung zu Fixpunkten des Vereinsprogramms.

Naturgemäß war auch die Mozartgemeinde nicht davor gefeit, von der Kulturpolitik des NS-Regimes vereinnahmt bzw. missbraucht zu werden. Ab 1938 trachteten die Machthaber des NS-Regimes auch auf kulturellem Gebiet ihre Zielsetzungen, ihr Verständnis einer „reinen“ und „deutschen Kultur“ sehr rasch umzusetzen. Die nationalsozialistische Ausrichtung aller Vereine erfolgte unmittelbar nach der Machtergreifung mit einer gesetzlichen Verordnung vom 17. Mai 1938 „über die Überleitung und Eingliederung von Vereinen, Organisationen und Verbänden“. Mozart wurde – ebenso wie Beethoven, Bach, Schubert oder Brahms – zur Leitfigur des nationalsozialistischen Kulturimperialismus stilisiert. Besonders deutlich zeigte sich dies im Rahmen der 1941 veranstalteten „Mozart-Woche des Deutschen Reiches“, wo es zu einer völligen Vereinnahmung des Komponisten durch die NS-Ideologie kam. Heinrich Damisch selbst war Nationalsozialist der ersten Stunde, seit 1932 war er bereits illegales Mitglied der NSDAP. Wiewohl sich Damisch innerhalb der Mozartgemeinde ideologisch eher zurückhielt – im Gegensatz zu vielen anderen seiner Beiträge in diversen Printmedien, etwa seine Artikel gegen „die jüdische Korruption alles Musikalischen“ oder „Die Verjudung des österreichischen Musiklebens“ - und im Rahmen seiner rastlosen Tätigkeit für den Verein primär die Pflege von Mozarts Musik und der musikhistorischer Stätten im Mittelpunkt stand, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass er vor dem Hintergrund seiner ideologischen Ausrichtung mitwirkte, ein Bild Mozarts entstehen zu lassen, das von der Kulturpolitik des Dritten Reiches propagandistisch instrumentalisiert werden konnte, indem auch er den Komponisten als „deutsch“ gegen „Jüdisches“ abgrenzte.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Mozartgemeinde immer wieder durch die Initiierung und Abhaltung einiger musikalischer Wettbewerbe sowie durch Verleihungen verschiedener Musikpreise in Erscheinung. So etwa durch den Mozart-Gesangwettbewerb (1949), einen Wettbewerb für Blechbläser (1951) oder den Dr. Karl -Böhm-Preis für junge österreichische Dirigenten (1974). In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergab die Mozartgemeinde die von staatlicher bzw. kommunaler Seite unterstützten Traditionspreise „Mozartinterpretationspreis“ und „Wiener Flötenuhr“.

Viele der mit diesen Preisen ausgezeichneten Künstler und Künstlerinnen starteten internationale Karrieren, wie etwa Rudolf Buchbinder, Rainer Küchl, Christian Altenburger, Angelika Kirchschlager, Stefan Vladar, Bo Skovhus und Barbara Moser. Die Träger eines von einer privaten Stifterin der Mozartgemeinde übergebenen „Goldenen Mozartringes“ — der Ring soll im Abstand von vier bis sechs Jahren an Persönölichkeiten des Musik- und Kulturlebens weitergegeben werden, die sich um das Werk Mozarts und dessen Interpretation große Verdienste erwarben — waren bisher Anton Scharinger (1995 - 2002), Angelika Kirchschlager (2002 - 2007 ), Michael Heltau (2008 – 2013), Franz Welser-Möst (seit 2013).

Die Mozartgemeinde vergibt auch einen „Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler – Stiftung Margaretha Schenk“, der bis 2009 unter dem Namen „Erich-Schenk-Preis“ vergeben wurde.

Die Präsidenten der Mozartgemeinde Wien: Heinrich Damisch (1913 – 1945), Erik Werba (1946 – 1987), Hans Peter Wertitsch (1987 – 1990), Walter Berry (1991 – 1993), Michael Heltau (1994 – 1998), Helmut Kretschmer (seit 1998).

Quellen und Literatur: Wiener Stadt – und Landesarchiv, Private Institutionen, Mozartgemeinde Maria Resch, Die Mozartgemeinde Wien – Ihre Geschichte auf Grundlage ihres Archivs, Diplomarbeit der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Wien 1997 Heinrich Damisch, Die Mozartgemeinde Wien von 1913 bis 1945, in: Forschung und Interpretation – Mozartgemeinde Wien 1913-1963, Wien 1964,348ff. Helmut Kretschmer, Ein Verein im Dienste Mozarts – Zur Geschichte der Mozartgemeinde Wien, in: Studien zur Wiener Stadtgeschichte (Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 60, Wien 2004, 153ff.); Helmut Kretschmer, Ein Verein im Dienste Mozarts – Zur Geschichte der Mozartgemeinde Wien (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Kleinausstellung des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Reihe B: Ausstellungskataloge, Heft 88, Wien 2013)

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